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AIV-Schinkel-Wettbewerb 2023 – Stadt statt A 104 , Berlin / Deutschland

Bewerbungsfrist 16.01.2023

Wettbewerbs-Ausschreibung

wa-ID
wa-2034882
Tag der Veröffentlichung
14.09.2022
Bewerbungsfrist
16.01.2023 23:59
Abgabetermin
13.02.2023 16:00
Preisgerichtssitzung
25.02.2023
Verfahrensart
Studentenwettbewerb
Zulassungsbereich
Bundesweit
Fachbereich
Allgemein
Architektur
Ingenieurwesen/ Fachplanung
Kunst/Design
Landschaftsgestaltung
Stadtplanung
Auslober
AIV Architekten- und
Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg e.V.
Koordination
wa wettbewerbe aktuell, Freiburg i.Br.
AIV-Schinkel-Wettbewerb 2023 – Stadt statt A 104
 
Auslober und Wettbewerbsdurchführung
Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg e.V.
Vorstand mit Schinkel-Ausschuss
 
Vertreten durch die Vorsitzenden des Schinkel-Ausschusses
Dipl.-Ing. Gesche Gerber, Dipl.-Ing. Ernst-Wolf Abée, 
AIV zu Berlin-Brandenburg
 
Geschäftsstelle: Fabian Burns
 
Bleibtreustraße 33
D-10707 Berlin
Tel.: +49 30 883 45 98
 
Die Wettbewerbsdurchführung erfolgt in Kooperation mit
wettbewerbe aktuell Verlagsgesellschaft mbH
Maximilianstraße 5
79100 Freiburg im Breisgau
 
Bei Problemen oder rückfragen zum Online-
verfahren wenden Sie sich bitte an:
 
wa wettbewerbe aktuell
Online Verfahren – Technischer Support: 
Telefon +49 761 77 4 55-33
Mo–Fr 8–16Uhr
 
Art des Verfahrens
Der AIV-Schinkel-Wettbewerb dient dazu, die fachliche Entwicklung und interdisziplinäre Zusammenarbeit junger Gestalter:innen und Planer:innen zu fördern. Entsprechend des „Schinkel-Statutes“ des AIV zu Berlin-Brandenburg werden hervorragende Wettbewerbsbeiträge mit dem Schinkelpreis prämiert, die das vorbildliche Zusammenwirken der ausgeschriebenen Fachdisziplinen miteinander dokumentieren oder sich als einzelleistungen durch das vorbildliche Abwägen von fachspezifischen und übergeordneten Belangen besonders auszeichnen. Je ausgeschriebenem Themenfeld können ein Schinkelpreis sowie ergänzend Sonderpreise vergeben werden.
 
Der AIV-Schinkel-Wettbewerb wird als offener Ideenwettbewerb ausgelobt und durchgeführt. Das Verfahren folgt nicht den Regeln für Planungswettbewerbe (RPW 2013), orientiert sich aber an ihnen. Bis zum Abschluss ist das gesamte Verfahren anonym.
 
Kommunikation
Die Wettbewerbssprache ist Deutsch: kommunikation von Seiten des Auslobers (Auslobung, Teilnahmebereich, Antworten auf Fragen) werden in deutscher Sprache verfasst.
 
Es ist den Teilnehmer:innen frei gestellt, Rückfragen auch auf Englisch zu stellen, erlaubt ist auch die Abgabe von Wettbewerbsarbeiten in englischer Sprache, wobei keine Garantie für eine richtige Übersetzung übernommen wird.
 
Die Kommunikation mit den Teilnehmer:innen wird als online-Verfahren über den bei wettbewerbe aktuell eingerichteten Teilnehmerbereich des AIV-Schinkel-Wettbewerbs geführt (ovf.wettbewerbe-aktuell.de/de/wettbewerb-29718).
 
Die Teilnehmer:innen sind aufgefordert, sich während des gesamten Wettbewerbs über den aktuellen Stand des Verfahrens eigenständig zu informieren.
 
Im Teilnehmerbereich werden die Informationen zum Verfahren (Auslobung, ergänzende Unterlagen, Anmeldungsmodalitäten,Verfassererklärung, später auch Rückfragen, Antworten etc.) fortlaufend bereitgestellt und aktualisiert.
 
Auf der Website des AIV zu Berlin-Brandenburg (www.aiv-berlin-brandenburg.de) sind die grundlegenden Informationen zu Verein und Wettbewerb ebenfalls einsehbar.
 
Zulassungsbereich und Teilnahmeberechtigung
Der Zulassungsbereich ist räumlich nicht begrenzt.
 
Für die teilnahme gelten folgende bedingungen, deren einhaltung eigenverantwortlich zu prüfen und bei Abgabe schriftlich anzuerkennen ist:
 
• Teilnahmeberechtigt sind Studierende und Absolventen der Studiengänge Städtebau, Landschaftsarchitektur, Architektur, Bauingenieurwesen, Verkehrsplanung und verwandter Fachrichtungen sowie Künstler:innen und Studierende der Freien kunst.
 
• DieTeilnehmer:innen dürfen – auch in Arbeitsgemeinschaften – zum Abgabetermin des Wettbewerbsbeitrages nicht älter als 35 Jahre sein
 
• Die Teilnehmer:innen dürfen bisher noch keinen Schinkelpreis gewonnen haben
 
• DieTeilnehmer:innen dürfen mit Jury-Mitgliedern nicht verwandt oder verschwägert sein
 
• Die Teilnehmer:innen haben durch Unterschrift zu versichern, dass sie geistige Urheber:innen der Arbeit sind
 
Eine bearbeitung des Wettbewerbsbeitrags in interdisziplinären Arbeitsgemeinschaften wird dringend empfohlen. Die Bildung von Arbeitsgemeinschaften müssen die Teilnehmer:innen selbst organisieren. Die Wettbewerbsbeiträge dürfen jeweils von bis zu vier Verfasser:innen erarbeitet werden. In der Arbeitsgemeinschaft muss mindestens eine Person die Teilnahmevoraussetzung zu Punkt 1 erfüllen.
 
Die Aufgabe einer Fachsparte kann von einem/einer Teilnehmer:in bearbeitet werden. An einer Kooperationsarbeit müssen mehrere Teilnehmer:innen bzw. Verfasser:innen beteiligt sein (Aufgaben aus zwei oder mehr Fachsparten sind zu bearbeiten).
 
Anmeldung
Die Anmeldung zum Wettbewerb ist vom 13.09.2022 bis zum 16.01.2023 über ein Online-Formular auf der Webseite von wettbewerbe aktuell möglich (ovf.wettbewerbe-aktuell.de/de/wettbewerb-29718).
 
Erforderlich ist das Anlegen eines Accounts je Arbeit bei wettbewerbe aktuell, dabei gelten die Datenschutzrichtlinien von wettbewerbe aktuell. Mit den Zugangsdaten kann eine Registrierung zum Teilnehmerbereich für den AIV-Schinkel-Wettbewerb vorgenommen werden. Die Bestätigungs-E-Mail von wettbewerbe aktuell enthält eine individuelle Kennziffer (z.b. ID-RWH4Y), die bei der Überweisung der Teilnahmegebühr angegeben werden muss.
 
Die Freischaltung des Teilnehmerbereichs erfolgt erst nach Eingang einer Teilnahmegebühr in Höhe von 40,00 EUR auf dem folgenden Konto:
 
Zahlungsempfänger: AIV zu Berlin-Brandenburg 
Bank: Berliner Volksbank
IBAN: DE22 1009 0000 7403 9380 54
BIC: BEVODEBBXXX
Verwendungszweck: [individuelle kennziffer]
 
Eingereichte Arbeiten, für die keine Teilnahmegebühr eingegangen ist, werden von der Jurierung ausgeschlossen.
 
Die teilnahmegebühr wird nicht zurückerstattet. Eine Spendenbescheinigung kann dazu vom Auslober nicht ausgestellt werden.
 
Preise
Voraussichtlich steht eine Summe von bis 30.000 EUR für Preisgelder zur Verfügung. Die Zusagen der Fördermittelgebenden unterliegen haushaltsrechtlichen Vorbehalten und können daher kurzfristig zurückgenommen werden. Der Schinkel-Ausschuss kann hierauf mit einer Umverteilung oder einer Senkung einzelner Summen reagieren.
 
Soweit Preisgeldempfänger:innen Unternehmer:innen im Sinne des Umsatzsteuergesetzes sind und umsatzsteuerpflichtige Umsätze erzielen, sind die Preisgeldempfänger:innen selbst für die Anmeldung der Umsatzsteuer verantwortlich, die Preisgelder werden insoweit ohne gesonderten Ausweis der Umsatzsteuer ausgezahlt (§ 19 Abs. 1 UStG). Über die Preisgelder hinaus ist eine Kostenerstattung nicht vorgesehen.
 
Je Aufgabe kann jeweils ein Schinkelpreis in Höhe von 3.000 EUR verliehen werden. Darüber hinaus ist die Vergabe von weiteren Preisen möglich. Unter Berücksichtigung der Vorgaben der Fördermittelgebenden werden einige Preise themengebunden vergeben (vgl. dazu Abschnitt Fördermittelgebende). Das Schinkel-Italienreise-Stipendium der Hans-Joachim-Pysall-Stiftung ist an einen Schinkelpreis gebunden.
 
Bekanntgabe der Ergebnisse und Ausstellung der Arbeiten
Die Preisträger:innen werden am Werktag nach der abschließenden Preisgerichtssitzung informiert. Das detaillierte Preisgerichtsprotokoll geht allen Teilnehmer:innen zu einem späteren Zeitpunkt zu.
 
Ausgewählte Wettbewerbsbeiträge werden unter Nennung der Verfasser:innen, der Preise und Juryrundgänge öffentlich ausgestellt. Details zur Ausstellungseröffnung am 12.03.2023 sowie Ort und Ausstellungsdauer werden spätestens im Februar 2023 bekannt gegeben. Eine Dokumentation zum Wettbewerb wird nach Abschluss des Verfahrens erstellt.
 
Terminübersicht
Veröffentlichung der Auslobung: Dienstag,13. September 2022
Abgabeschluss für Rückfragen: Freitag, 28. Oktober 2022 (bis 13 Uhr)
Rückfragenkolloquium: Freitag, 04. November 2022
Anmeldeschluss: Montag, 16. Januar 2023 (bis 23:59 Uhr)
Abgabe der Wettbewerbsarbeiten bis: Montag, 13. Februar 2023 (bis 16 Uhr)
Vorjurierung: 22.–24. Februar 2023
Schinkel-Jury: Samstag, 25. Februar 2023
Ausstellungseröffnung mit Presse: Sonntag, 12. März 2023
 
Schinkel-Fest mit Preisverleihung: Montag, 13. März 2023
 
Aufgabenstellung – Einführung
Das kryptische Kürzel A 104 bezeichnet eine Teilstrecke des Berliner Stadtautobahn-Systems, entstanden aus einer Trassenvariante der Ringautobahn. Die A 104 kreuzt den Stadtring am Knoten Wilmersdorf und sollte eine schnelle Verbindung zwischen dem Hohenzollerndamm in Wilmersdorf und der Schloßstraße in Steglitz herstellen sowie den Anschluss an eine weitere Stadtautobahnstrecke ermöglichen (A 103). Im Jahr 1974 wurde der erste Abschnitt zwischen Konstanzer Straße und Mecklenburgischer Straße eröffnet, der letzte Abschnitt 1980 fertiggestellt. Die kreuzungsfreie, aufgeständerte Trasse endet jedoch bereits kurz hinter dem Breitenbachplatz, realisiert in erheblicher Breite als Vorhaltung für eine spätere Streckenerweiterung. Richtung Süden wurde der Verkehr ebenerdig durch die dicht bebaute Schildhornstraße geführt. Am südlichen Ende der geplanten Strecke wurde eine vierspurige Brücke über die Schloßstraße realisiert, gekrönt von einem fast 50 m hohen Pop-Spektakel mit U-Bahn-Anschluss, dem „Bierpinsel“, wie der Berliner Volksmund die im Jahr 1976 mit einem Turmrestaurant eröffnete Landmarke benannte.
 
Nachdem die Schildhornstraße zur Tempo-30-Zone erklärt worden war, erfolgte die weitgehende Entwidmung der A 104 als Bundesautobahn. Seit 2006 ist das Land Berlin verantwortlich für die Unterhaltung der Straßen- und Brückenbauwerke, deren konstruktive Lebensdauer in den zwanziger Jahren des 21. Jahr-
hunderts erreicht wird. Der Stellenwert der Automobilität hat sich inzwischen geändert, was in der Koalitionsvereinbarung der Regierungsparteien für die derzeit laufende Legislaturperiode bis 2026 seinen Niederschlag gefunden hat.
 
Im AIV-Schinkel-Wettbewerb 2023 stellen wir in allen Fachsparten die Frage, welche Chancen und Herausforderungen sich aus Rückbau oder Umnutzung der ehemaligen A 104 ergeben können. Wie wird der Umbau der autogerechten Stadt zur lebenswerten Stadt erfolgreich? Quartier 104 statt Bundesautobahn 104? Welche Verkehrsdichte verträgt die klimagerechte Stadt der Zukunft, welche Einwohnerdichte braucht die Urbanität der Metropole, welche neuen Nutzungen benötigt die resiliente Stadt?
 
Im Umfeld der Autobahntrasse finden sich Bebauungsstrukturen aus unterschiedlichen Zeitabschnitten: Häuser und Stadtplätze aus der Gründerzeit, Ein- und Mehrfamilienhäuser aus den 20er Jahren, der ehemals sorgfältig gefasste Breitenbachplatz, Kirchen verschiedener Epochen, das durch „Gartenterrassen“
geprägte Ambiente im Rheingauviertel, Kleingartenanlagen neben Institutsgebäuden mit weitläufigen Außenanlagen für Forschungszwecke, aber auch die weltweit erste und einzige Wohnanlage als Überbauung einer Stadtautobahn, der Wohnkomplex Schlangenbader Straße, eine langgestreckte Megastruktur, über die Richard von Weizsäcker gesagt haben soll: „Wenn der Teufel dieser Stadt etwas Böses antun will, lässt er noch einmal so etwas wie die ‚Schlange‘ bauen.“
 
Städtebau
Als ehemaliges Glanzstück der autogerechten Stadt schlängelt sich die A 104 von Wilmersdorf nach Steglitz. Das etwa drei Kilometer lange Band prägt das Rheingauviertel, den Breitenbachplatz und Steglitz mit kolossalen (Brücken-)Bauten und schwer zu nutzenden Restflächen.
 
Durch den Rück- und Umbau der Verkehrsinfrastruktur zwischen dem südlichen Tunnelmund und der der Paulsenstraße ergibt sich die Chance, die frei werdenden Räume umzunutzen und räumliche und funktionale Mängel bzw. Barrieren in einen Mehrwert für die Umgebung zu verwandeln. Offen ist, ob bzw. inwie-
weit Teile der Hochstraße erhalten werden sollten und mit welchen Nutzungen, Freiräumen und Typologien die Lücke gefüllt werden kann.
 
Mit dem städtebaulichen Entwurf soll gezeigt werden, wie zwischen den angrenzenden Quartieren vermittelt und welche städtebaulichen Qualitäten durch die Neuordnung der ehemaligen Verkehrsachse entwickelt werden können. Im Fokus stehen dabei der städtebauliche Anschluss an die Schlangenbader Straße, der Umgang mit dem Breitenbachplatz sowie die Integration attraktiver Freiräume und zeitgemäßer Mobilitätsformen.
 
Dabei steht der Umgang mit der Autobahn-Hochstraße den Teilnehmenden frei. Zur Kooperation mit anderen Fachsparten wird ermutigt, um innovative Lösungsansätze für eine radikale Transformation zu erarbeiten.
 
Verkehr
Im Planungsraum geht es darum, in den 60er-80er Jahren des vorigen Jahrhunderts geplante und daraufhin entstandene, überdimensionierte Flächen für den Kraftfahrzeugverkehr neu zu gestalten und zeitgemäßeren Nutzungen zuzuführen.
 
Durch geeignete Verkehrskonzepte soll sichergestellt werden, dass auch weiterhin eine gute Erreichbarkeit des Planungsraums gewährleistet bleibt. Für den Durchgangsverkehr sollen Lösungen gefunden werden, die für eine verträgliche Verteilung über den gesamten Planungsraum unter bevorzugter Bündelung über das übergeordnete Straßennetz sorgen.
 
Der Schinkelwettbewerb versteht sich als Ideenwettbewerb und nicht als Realisierungswettbewerb. Insofern werden die Teilnehmer*innen aufgefordert auch unkonventionelle Vorschläge und Ideen einzubringen.
 
Landschaftsarchitektur
Mit der Stilllegung und ggf. dem Rückbau der Autobahnteilstrecke A 104 bietet sich die Chance, den linearen Stadtraum in ein neuartiges Freiraumband umzuwandeln das essentielle Zukunftsfragen für die Stadt Berlin beispielhaft beantwortet. Zentrales Thema sind dabei Anpassungsstrategien an den Klimawandel. Essentiell ist, dass diese Strategien nicht für sich stehen sondern in Freiraumqualitäten mit einer zeitgemäßen Material- und Pflanzenverwendung übersetzt werden und soziale Anforderungen integriert behandeln.
 
Auf übergeordneter Ebene soll die gesamte Trasse der A 104 zwischen der A 100 und der A 103 untersucht werden. In diesem Maßstab geht es um die stadträumliche Verflechtung und Vernetzung mit dem Umfeld unter Berücksichtigung zeitgemäßer Mobilitätskonzepte. Der Vertiefungsbereich betrachtet den Abschnitt von der Autobahnüberbauung „Schlange“ in Richtung Süden bis zum Ende der Rampenbauwerke.
 
Wie kann hier ein zukunftsfähiges Programm für ein Freiraumband aussehen, das den Bedürfnissen nach Erholung und Bewegung, Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln und Aufenthalt gerecht wird und dies mit Klimaanpassung, der Schaffung von Lebensräumen für Mitlebewesen und übergeordneten stadtökologischen Zielen verbindet?
 
Architektur
Die Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße ist ein exzeptionelles Bauwerk, das zu Recht in die Denkmalliste aufgenommen wurde. Mit 1064 Wohneinheiten, errichtet nach den Förderrichtlinien des sozialen Wohnungsbaus für ca. 400 Mio DM, bezugsfertig ab 1980, zählt es zu den größten zusammenhängenden durchgängig begehbaren Wohnkomplexen in Europa. Weitere 694 Wohneinheiten bietet die Randbebauung, 120 verschiedene Grundrissvarianten wurden realisiert.
 
Die tragenden Strukturen überspannen die Trasse der A 104, die im „Bauch“ der Gebäudeglieder verläuft. Durch die veränderten Verkehrsströme nach der Wiedervereinigung wurde die A 104 zunehmend obsolet. Nach 50jähriger Nutzungsdauer wären umfangreiche konstruktive Sanierungsmaßnahmen der Verkehrsbauwerke notwendig.
 
Bei einer (konstruktiv möglichen) Entfernung der Trassen und der darunterliegen Parkdecks wird ein Raum von ca. 40 m Breite und ca. 12,5 m Höhe frei, auf einer Länge von 4 x 60 m im nördlichen, 3 x 60 m im südlichen Teil der „Schlange“, ein Raumangebot von über 200.000 cbm BRI, dazu weitere Flächen in der Verbindungsbrücke und vor den Ein- und Ausfahrten im Norden und Süden.
 
Für die zukünftige Widmung, darzustellen am Beispiel des südlichen Tunnelraums sind Nutzungen zu finden, die kein bzw. wenig Tageslicht brauchen und die überregionale Bekanntheit des Bauwerks neu interpretieren, um zukunftsweisende Funktionen in der urbanen Gemengelage zu implantieren und eine städtebauliche, nicht verkehrsbestimmte Beziehung zum Breitenbachplatz zu skizzieren.
 
Denkbar sind kulturelle Nutzungen wie etwa das „Schaulager“ in Basel von Herzog/de Meuron, sportliche und regenerative, aber auch gewerbliche Nutzungen, die in der klimagerechten Metropole erforderlich sind und den Wohnstandort ergänzen.
 
Die Teilnehmer*innen des Wettbewerbs sind dazu aufgerufen, sich mit einem höchst heterogenen Raum zu beschäftigen und eine Architekturvision der Vergangenheit in die Zukunft zu führen.
 
Konstruktiver Ingenieurbau
Der Schinkel-Wettbewerb 2023 beschäftigt sich mit dem Gebiet um die A104 in Berlin-Wilmersdorf und -Steglitz. Perspektivisch soll die Autobahn aufgegeben und der Verkehrsraum der Stadt zurückgegeben werden. Damit wird der motorisierte Individualverkehr auf den Trassen generell in Frage gestellt.
 
Werden die Trassen, Brücken, Zufahrten, Rampen überhaupt noch für den motorisierten Individualverkehr benötigt? Können sie reduziert oder ganz aufgegeben werden? Können sie eine zukunftsweisende oder experimentelle verkehrliche Nutzung erfahren oder anderen Zwecken zugeführt werden? Wie weit
ist ein Rückbau sinnvoll und notwendig und wie weit ist es sinnvoller, die Bauwerke und damit ihre „graue Energie“ weiter zu nutzen, zu modifizieren und zukünftigen Nutzungen anzupassen?
 
Die Aufgabe des konstruktiven Ingenieurbaus fordert die Teilnehmer*innen heraus, sich mit dem Bestand der Verkehrsbauwerke auseinander zu setzen. Potentiale und Reserven sind zu analysieren und daraus Vorschläge zu einer weiteren Nutzung der Trassen zu erarbeiten.
 
Mögliche Nutzungen können u.a. Orte für Trend-Sportarten (Bouldern, Parkour, Skaten, etc.), Grünanlagen, urbane Landwirtschaft, alternative Verkehrsarten, etc. sein.
 
Die Trassen sind hinsichtlich der Anforderungen der neuen Nutzungen zu prüfen und ggf. zu ergänzen (Auf-/Abgänge, Anschlüsse, Fassaden), bzw. können in Teilen ggf. rückgebaut werden. Auch der Stadtraum unter/um die Trassen darf mit einbezogen werden.
 
Es geht nicht darum, die Bestandsbauwerke nachzurechnen, sondern darum intelligente Umnutzungsideen mit innovativen konstruktiven Konzepten zu kombinieren, um Neues zu schaffen.
 
Freie Kunst
Im AIV-Schinkel-Wettbewerb 2023 - Fachsparte Freie Kunst - soll der anstehende Veränderungsprozeß der A104 künstlerisch begleitet werden. Neben Werken aus den Disziplinen Skulptur, Installation, Zeichnung, Performance, Fotografie oder Video sind ausdrücklich auch IT- basierte Werke und insbesondere VR-Kunst sowie künstlerischer Prozess der (transformativen) Partizipation erwünscht. Da es sich beim Schinkel-Wettbewerb des AIV um einen Ideenwettbewerb handelt, können auch Konzepte für Kunst-am-Bau-Projekte oder andere großformatige Arbeiten eingereicht werden.
 
Die künstlerischen Arbeiten oder Konzepte sollen sich inhaltlich mit den Chancen und Herausforderungen, die sich aus der Transformation ergeben, beschäftigen. Obwohl die Stadtflucht in den Corona-Jahren zugenommen hat, steigt gleichzeitig der Zuzug in die Metropolen weiter stetig. Was heißt es, im sich stets wandelnden urbanen Raum nachhaltig und klimaneutral zu leben? Können Trassen, Brücken, Zufahrten und Rampen, die nicht mehr benötigt werden eine zukunftsweisende oder experimentelle Nutzung? Können die Bauwerke und damit ihre „graue Energie“ weiter genutzt werden durch Umwandlung in Kunstobjekte?
 
Dabei kann eine künstlerische Auseinandersetzung u.a. mit folgenden Themen stattfinden:
o Gesellschaftlicher Wandel von der autozentrierten Stadt zur nachhaltigen Stadt
o Wie kann der Wandel von verschiedenen Parteien mitgestaltet werden? Künstlerische Beteiligungsprozesse, die die Bedürfnisse oder Ängste der Bürger*innen aufgreifen
o Nachhaltigkeitsaspekte bzgl. Rückbau und Entsorgung von Materialien
o Wie können Bürger Naherholung und Grün im Stadtraum etablieren
 
Zwar wurde schon mehrfach unter Beweis gestellt, dass künstlerische Praktiken einen wertvollen Beitrag in der Stadtentwicklung leisten können, andererseits können die eingereichten künstlerischen Werke auch dazu dienen, eine ganz neue Perspektive einzunehmen oder den Boden der Realität zu verlassen, um uns futuristische Utopien oder Dystopien vor Augen zu führen.
 
Denkmalpflege
Die Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße und die zugehörigen Außenanlagen stehen seit 2017 unter Denkmalschutz.
 
Die Architekturaufgabe des diesjährigen Wettbewerbes fordert dazu auf, über eine Umwidmung der Trassen und Parkdecks „die überregionale Bekanntheit des Bauwerks neu interpretieren um zukunftsweisende Funktionen in der urbanen Gemengelage zu implantieren“.
 
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz anderseits formuliert folgende Entscheidungskriterien bei der Beurteilung von neuer Architektur am Denkmal:
 
Der substanzielle Eingriff in die denkmalwerte Bausubstanz muss auf ein Minimum reduziert werden. Das Denkmal muss in seinem städtebaulichen Zusammenhang erlebbar bleiben. Planung und Entwurf müssen eigenständig und anspruchsvoll sein. Ziel ist es, eine architektonisch gut gestaltete Einheit
aus Denkmal und Neubau zu schaffen, die bis in die Detailgestaltung hinein wirkt und sich an der vorgegebenen Qualität des Baudenkmals misst. Der ursprüngliche Charakter des Denkmals und seine ursprüngliche Nutzung sollen auch bei Ergänzungsbauten erkennbar bleiben. Zeitgemäße Architektursprache und Verwendung moderner Baustoffe sind keine zwingenden Kriterien.
 
Lassen sich die geforderte Neuinterpretation und die Bewahrung des ursprünglichen Charakters miteinander vereinbaren, bedingen Umnutzung bzw. Umwidmung zwangsweise eine Neuinterpretation?
 
Denkmale zu nutzen sichert ihr langfristiges Überleben. Die Nutzung ist somit im Sinne der Denkmalpflege. Umnutzung führt jedoch zu unerwünschten Eingriffen in die Substanz. Eine langfristig gesicherte Nutzung ist einer Abfolge von kurzfristigen Umnutzungen wahrscheinlich vorzuziehen. Bedeuten „zukunftsweisende Funktionen“ in diesem Sinne die Sicherung einer langfristigen Nutzung oder sind sie eine Wette auf eine ungewisse Zukunft?
 
Der Sonderpreis Denkmalpflege wird jährlich vergeben für die erkennbare Auseinandersetzung mit diesbezüglichen Zielkonflikten, für die Abwägung unterschiedlicher Lösungsansätze in Kenntnis der „Denkmalparadigmen“ sowie für den angemessenen Umgang mit erkannten Konflikten im Entwurf, beispielsweise Vermeidung, Auflösung oder gar Zuspitzung.

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